Inhalt
Welche Kunden sind besonders profitabel? Mit welchen Produkten erzielen wir die höchsten Margen? Wie wirken sich Fertigungsabweichungen auf unser Ergebnis aus? Und wie entwickelt sich unsere Marge, wenn wir neben den bereits fakturierten Umsätzen auch aktuelle Kundenaufträge berücksichtigen?
Für solche Fragestellungen bietet SAP S/4HANA mit der Margin Analysis eine leistungsfähige Form der Ergebnis- und Marktsegmentrechnung.
Die Margin Analysis ist die Weiterentwicklung der aus SAP ECC bekannten buchhalterischen Ergebnisrechnung CO-PA (s. Blogartikel Kalkulatorisches vs. buchhalterisches CO-PA in SAP S/4HANA). Mit SAP S/4HANA hat SAP deren Funktionsumfang deutlich erweitert. Viele Funktionen, die früher insbesondere mit der kalkulatorischen Ergebnisrechnung verbunden waren, können inzwischen auch mit der Margin Analysis umgesetzt werden.
In diesem Beitrag zeigen wir, welche Möglichkeiten die Margin Analysis bietet, wie sich individuelle Anforderungen an die Ergebnisrechnung abbilden lassen und worauf Unternehmen bei der Gestaltung achten sollten.
Was ist die Margin Analysis in SAP S/4HANA?
Die Margin Analysis ermöglicht es, Erlöse und Kosten unterschiedlichen Marktsegmenten zuzuordnen und so die Profitabilität aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren.
Typische Fragestellungen sind beispielsweise:
- Wie profitabel sind einzelne Kunden oder Kundengruppen?
- Welche Produkte oder Produktgruppen erzielen den höchsten Deckungsbeitrag?
- Wie unterscheiden sich Margen zwischen Regionen oder Vertriebsorganisationen?
- Welche Kostenbestandteile beeinflussen unsere Marge?
- Wie wirken sich Produktionsabweichungen auf das Ergebnis aus?
Ein wesentlicher Vorteil in SAP S/4HANA besteht in der engen Integration von Finanzbuchhaltung und Controlling. Die Margin Analysis basiert auf den Daten des Universal Journals. Finanz- und Ergebnisinformationen können dadurch auf einer gemeinsamen Datenbasis ausgewertet werden.
Für Unternehmen bedeutet das: Die Ergebnisrechnung wird stärker mit dem Finanzwesen verzahnt und kann gleichzeitig um zusätzliche Informationen für das Management Reporting ergänzt werden.
Margin Analysis oder kalkulatorisches CO-PA?
In SAP ECC standen Unternehmen häufig vor der Entscheidung zwischen der buchhalterischen und der kalkulatorischen Ergebnisrechnung.
Ein wesentlicher Vorteil der kalkulatorischen Ergebnisrechnung bestand lange Zeit in ihrem großen Funktionsumfang. Dazu gehörten beispielsweise die Darstellung kalkulatorischer Kostenbestandteile, die Aufteilung von Herstellkosten oder die detaillierte Analyse von Produktionsabweichungen.
Mit SAP S/4HANA hat SAP die buchhalterische Ergebnisrechnung erheblich weiterentwickelt und unter dem Namen Margin Analysis neu positioniert. Funktionen, die früher häufig ein Argument für das kalkulatorische CO-PA waren, stehen heute auch im Umfeld der Margin Analysis zur Verfügung.
Damit wird die Margin Analysis für viele Unternehmen zur strategisch interessanten Lösung für die Ergebnisrechnung unter SAP S/4HANA.
Welche Variante im konkreten Fall sinnvoll ist, sollte dennoch nicht ausschließlich anhand einzelner Funktionen entschieden werden. Entscheidend sind unter anderem die bestehenden Reporting-Anforderungen, die heutige CO-PA-Struktur und die zukünftige S/4HANA-Architektur.
Welche Möglichkeiten bietet die Margin Analysis?
Die Margin Analysis geht deutlich über eine einfache Gegenüberstellung von Erlösen und Kosten hinaus. Verschiedene Funktionen ermöglichen es, die tatsächlichen Ursachen einer Marge transparenter zu machen.
Umsatzkosten detaillierter analysieren
Für eine aussagekräftige Margenanalyse reicht es häufig nicht aus, lediglich die gesamten Umsatzkosten eines Produkts zu kennen.
Interessanter ist die Frage:
Woraus bestehen diese Kosten?
Mit der Aufteilung der Kosten des Umsatzes können beispielsweise unterschiedliche Bestandteile der Herstellkosten separat dargestellt werden. Dadurch lässt sich im Reporting besser nachvollziehen, welche Kostenkomponenten für Veränderungen der Marge verantwortlich sind.
Das Controlling erhält damit eine differenziertere Sicht auf die Profitabilität von Produkten und Marktsegmenten.
Fertigungsabweichungen transparent machen
Auch Produktionsabweichungen können einen erheblichen Einfluss auf die tatsächliche Profitabilität haben.
SAP S/4HANA ermöglicht es, Fertigungsabweichungen differenziert in der Margin Analysis abzubilden. Statt lediglich einen Gesamtbetrag zu betrachten, können unterschiedliche Ursachen wie beispielsweise Preis-, Mengen- oder Losgrößenabweichungen analysiert werden.
Damit lässt sich nicht nur erkennen, dass die Marge eines Produkts von der Planung abweicht, sondern auch warum.
Individuelle Merkmale: Wenn Kunde und Produkt nicht ausreichen
Die Anforderungen an eine Ergebnisrechnung unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen.
Standardmerkmale wie Kunde, Produkt oder Vertriebsorganisation bilden deshalb nicht zwangsläufig alle Perspektiven ab, aus denen das Management seine Profitabilität betrachten möchte.
Vielleicht möchten Sie Ihre Margen zusätzlich nach
- Kundensegmenten,
- Produktgruppen,
- Vertriebsregionen,
- Marken,
- strategischen Geschäftsfeldern oder
- anderen unternehmensspezifischen Dimensionen
analysieren.
SAP S/4HANA bietet die Möglichkeit, die Margin Analysis um solche individuellen Merkmale zu erweitern.
Brauchen wir überhaupt ein neues Merkmal?
Nicht jede zusätzliche Reporting-Dimension erfordert automatisch ein neues Merkmal. Zunächst sollte geprüft werden, ob die gewünschte Information bereits im SAP-Standard vorhanden ist oder für die Analyse aus bestehenden Informationen ermittelt werden kann.
Erst wenn die Information tatsächlich zusätzlich benötigt und gegebenenfalls auf dem Geschäftsvorgang gespeichert werden soll, stellt sich die Frage nach dem geeigneten Erweiterungsansatz.
Ein Beispiel: Ein Unternehmen möchte seine Margen zukünftig nach einem eigenen Kundensegment analysieren. Dann ist nicht nur zu klären, wie das entsprechende Merkmal in SAP angelegt wird. Ebenso wichtig ist die Frage, woher das Kundensegment stammt, in welchen Prozessen es benötigt wird und ob der zum Buchungszeitpunkt gültige Wert auch für spätere historische Auswertungen erhalten bleiben soll.
Diese fachlichen Fragen haben direkten Einfluss darauf, wie das Merkmal in SAP S/4HANA sinnvoll umgesetzt werden sollte.
Neue Merkmale in S/4HANA anlegen: Die Vorgehensweise hat sich verändert
Wer aus SAP ECC kommt, kennt für die Anlage kundeneigener CO-PA-Merkmale vor allem die Transaktion KEA5. In SAP S/4HANA Private Cloud hat sich die Vorgehensweise jedoch verändert.
Neben diesem klassischen Weg stehen heute modernere Erweiterungsmöglichkeiten zur Verfügung, die insbesondere im Hinblick auf Clean Core, FIORI und Embedded Analytics Vorteile bieten.
Bevor ein neues Merkmal angelegt wird, sollte zudem geprüft werden, ob SAP die benötigte Information bereits als Standardmerkmal bereitstellt. Ist dies der Fall, kann das vorhandene Merkmal genutzt werden und eine kundeneigene Erweiterung ist nicht notwendig.
Wird tatsächlich ein neues Merkmal benötigt, stehen grundsätzlich drei Wege zur Verfügung:
- Custom Fields App – der bevorzugte Weg für neue Merkmale
Für viele neue Anforderungen ist die Custom Fields App heute der bevorzugte Ansatz. Das neue Feld wird im Business Context „Accounting: Market Segment“ angelegt und anschließend für die benötigten Anwendungen und analytischen Szenarien veröffentlicht.
Der wesentliche Vorteil: Das Merkmal fügt sich in das S/4HANA-Extensibility-Konzept ein und kann für relevante FIORI-Oberflächen, analytische Anwendungen und Schnittstellen bereitgestellt werden.
Gerade wenn Unternehmen verstärkt auf FIORI und Embedded Analytics setzen, sollte dieser Ansatz daher zuerst geprüft werden.
- SCFD_EUI – wenn bestehende SAP-Strukturen genutzt werden sollen
Eine zweite Möglichkeit ist die Erweiterung über SCFD_EUI. Dieser Ansatz ist insbesondere interessant, wenn das neue Merkmal auf bereits vorhandenen SAP-Datenelementen oder Tabellen aufbauen soll.
Das Feld wird dabei zunächst technisch als Erweiterung angelegt und anschließend für den Business Context „Market Segment“ freigegeben. Dadurch kann es ebenfalls in die S/4HANA-Extensibility-Welt integriert und beispielsweise für analytische Anwendungen verfügbar gemacht werden.
Dieser Weg bietet zusätzliche Flexibilität, erfordert aber einen stärkeren technischen Eingriff als die Anlage über die Custom Fields App.
- KEA5 – der klassische Weg bleibt für Sonderfälle bestehen
Auch die aus dem klassischen CO-PA bekannte Transaktion KEA5 gibt es weiterhin. Sie ist jedoch nicht mehr automatisch der erste Weg, wenn in der Margin Analysis ein neues Merkmal benötigt wird.
KEA5 bleibt insbesondere für bestimmte Sonderfälle relevant, beispielsweise für zusammengesetzte Merkmale, bestimmte Produkthierarchie-Merkmale oder spezielle technische Anforderungen.
Ein wichtiger Unterschied zeigt sich beim Reporting: Über KEA5 angelegte Merkmale stehen in CDS-basierten FIORI-Anwendungen nicht automatisch als zusätzliche Dimension zur Verfügung. Für die Integration in die entsprechenden Reports sind daher weitere technische Erweiterungen erforderlich.
Für neue Anforderungen sollte deshalb zunächst geprüft werden, ob die Custom Fields App oder SCFD_EUI die geeignetere und zukunftsfähigere Lösung darstellt.
Welcher Weg ist der richtige?
Welche der drei Möglichkeiten die richtige ist, hängt nicht allein davon ab, wie sich ein Merkmal technisch anlegen lässt. Entscheidend ist vielmehr, woher die Information stammt, in welchen Geschäftsprozessen sie benötigt wird und wie sie später ausgewertet werden soll.
Die Entscheidung sollte daher frühzeitig getroffen werden. Denn sie beeinflusst nicht nur die Margin Analysis selbst, sondern unter anderem auch die Integration in FIORI und Embedded Analytics sowie den späteren Wartungs- und Erweiterungsaufwand.
Unabhängig vom gewählten Weg muss anschließend sichergestellt werden, dass das neue Merkmal in den relevanten Geschäftsvorgängen zuverlässig befüllt wird. Hierfür kann beispielsweise weiterhin die bekannte CO-PA-Merkmalsableitung (KEDR) eingesetzt werden.
Unser Tipp aus der Praxis
Übernehmen Sie bei einer S/4HANA-Transformation die bestehende CO-PA-Merkmalsstruktur nicht einfach unverändert aus ECC. Prüfen Sie zunächst, welche Merkmale tatsächlich noch benötigt werden und welcher der verfügbaren Ansätze am besten zur zukünftigen System- und Reporting-Architektur passt.
Statistische SD-Konditionen in der Margin Analysis
Nicht alle für die Margenanalyse relevanten Kosten werden zwangsläufig als klassische Finanzbuchungen abgebildet. Ein Beispiel sind statistische Konditionen aus dem Vertrieb. Sie können etwa verwendet werden, um kalkulatorische Kostenbestandteile im Verkaufsprozess zu berücksichtigen.
SAP S/4HANA bietet die Möglichkeit, relevante statistische Konditionen aus dem Vertrieb in die Margin Analysis zu übernehmen und damit das Reporting um zusätzliche Informationen zu ergänzen. Dadurch lassen sich weitere Einflussfaktoren auf die Marge in die Analyse integrieren.
Whitepaper
Der S/4HANA Conversion und Shell Conversion Guide: Eine Schritt-für-Schritt Anleitung
Erfahren Sie die wichtigsten Aspekte einer Migration zu SAP S/4HANA per Brownfield Approach oder Selective Data Transition.
Anhand einer strukturierten Vorgehensweise, angelehnt an die Activate Methode der SAP, führen wir Sie durch alle Projektphasen, von der Projektplanung bis zum Go-live.
Mit Predictive Accounting zukünftige Margen analysieren
Klassische Ergebnisrechnungen betrachten hauptsächlich bereits realisierte Geschäftsvorgänge. Für die Unternehmenssteuerung ist jedoch häufig auch interessant, was voraussichtlich in den kommenden Wochen oder Monaten passieren wird.
Hier setzt Predictive Accounting an. Bereits auf Basis eines Kundenauftrags können zukünftige Geschäftsvorgänge wie Warenausgang und Fakturierung simuliert werden. Die daraus resultierenden Erlöse, Umsatzkosten und Margen stehen anschließend für analytische Auswertungen zur Verfügung.
Damit können Controller beispielsweise untersuchen: Wie könnte sich unsere Marge zum Ende des aktuellen Monats oder Quartals entwickeln, wenn die vorhandenen Kundenaufträge wie geplant realisiert werden?
Sobald die tatsächlichen Geschäftsvorgänge stattfinden, werden die simulierten Werte entsprechend durch die realen Buchungen ersetzt.
Predictive Accounting erweitert die Margin Analysis damit von der reinen Vergangenheitsbetrachtung um eine vorausschauende Perspektive.
Reporting: Von Marktsegmenten bis zur Produktprofitabilität
Eine leistungsfähige Ergebnisrechnung entfaltet ihren Nutzen erst durch das passende Reporting.
SAP S/4HANA bietet hierfür unterschiedliche Möglichkeiten. Neben den aus der klassischen CO-PA-Welt bekannten Ergebnisberichten stehen verschiedene analytische Fiori Apps zur Verfügung.
Produktprofitabilität
Mit der Produktprofitabilität können Deckungsbeiträge einzelner Produkte analysiert werden. Dabei lassen sich Produktinformationen und Merkmale der Ergebnisrechnung miteinander kombinieren.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, Kosten differenzierter zu betrachten und dadurch die Zusammensetzung der Produktmarge besser nachzuvollziehen.
Einzelposten der Margin Analysis
Für detaillierte Analysen können relevante Buchungsbelege bis auf Einzelpostenebene betrachtet werden.
Controller können Positionen nach unterschiedlichen Kriterien filtern, sortieren und gruppieren und bei Bedarf in weitere Informationen oder zugehörige Anwendungen navigieren. Damit lässt sich von einer aggregierten Kennzahl bis zum zugrunde liegenden Geschäftsvorgang analysieren.
Marktsegmente
Die Analyse von Marktsegmenten ermöglicht eine flexible Betrachtung von Ist- und Plandaten anhand unterschiedlicher Merkmalskombinationen.
Genau hier zeigt sich auch der Nutzen einer durchdachten Merkmalsstruktur: Je besser die relevanten Steuerungsdimensionen im System abgebildet sind, desto gezielter können Controller die Profitabilität aus unterschiedlichen Perspektiven untersuchen.
Margin Analysis ist mehr als eine technische Umstellung
Mit SAP S/4HANA hat SAP die Möglichkeiten der buchhalterischen Ergebnisrechnung erheblich erweitert. Universal Journal, Fiori-basierte Analysen, Predictive Accounting und individuelle Merkmale eröffnen neue Möglichkeiten, die Profitabilität eines Unternehmens transparent zu analysieren.
Der entscheidende Erfolgsfaktor ist jedoch nicht die Anzahl der eingesetzten Funktionen. Viel wichtiger ist die Frage:
Welche Informationen benötigt Ihr Unternehmen, um Margen wirklich steuern zu können?
Gerade eine S/4HANA-Transformation bietet die Chance, bestehende CO-PA-Strukturen nicht nur technisch zu übernehmen, sondern kritisch zu hinterfragen: Welche Merkmale werden zukünftig benötigt? Welche Informationen sollen im Universal Journal verfügbar sein? Und wie soll das zukünftige Profitabilitätsreporting aussehen?
Wer diese Fragen frühzeitig beantwortet, schafft die Grundlage für eine Margin Analysis, die nicht nur technisch funktioniert, sondern einen echten Mehrwert für Controlling und Unternehmenssteuerung bietet.
Sie möchten Ihre Margin Analysis in SAP S/4HANA optimal gestalten?
Ob S/4HANA Conversion, Greenfield-Einführung oder Weiterentwicklung einer bestehenden Margin Analysis: PIKON unterstützt Sie dabei, Ihre Anforderungen an Ergebnisrechnung, Merkmalsstruktur und Reporting zu analysieren und daraus eine passende Lösung für Ihr Unternehmen zu entwickeln.
Sprechen Sie uns gerne an. Gemeinsam schauen wir uns an, wie Sie die Möglichkeiten der Margin Analysis für Ihre Unternehmenssteuerung optimal nutzen können.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Active Campaign. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen
