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Die Niederlande zählen im öffentlichen Sektor zu den Vorreitern der E-Rechnung in Europa. Mit einer etablierten B2G-E-Rechnungspflicht und einer der höchsten freiwilligen B2B-E-Invoicing-Quoten über das Peppol-Netzwerk verfolgt das Land seit Jahren einen marktgetriebenen Ansatz. Doch das ändert sich nun: Angetrieben durch die EU-Initiative „VAT in the Digital Age“ (ViDA) bereitet die niederländische Regierung die Einführung einer verpflichtenden B2B-E-Rechnung vor. Das Zieljahr für die Umsetzung ist 2030.
Wie ist der aktuelle Stand der E-Rechnung in den Niederlanden?
Die Niederlande gehören im öffentlichen Sektor zu den frühen Anwendern der E-Rechnung in Europa. Seit dem 1. Januar 2017 sind Lieferanten der niederländischen Zentralregierung verpflichtet, Rechnungen elektronisch einzureichen. Diese Verpflichtung wurde im April 2019 auf alle öffentlichen Einrichtungen ausgeweitet, darunter Gemeinden, Provinzen, Wasserverbände und weitere öffentliche Stellen.
Elektronische Rechnungen werden hauptsächlich über das Peppol-Netzwerk mithilfe zertifizierter Access Points ausgetauscht. Einige Lieferanten nutzen jedoch weiterhin die staatliche Plattform Digipoort für die Kommunikation mit öffentlichen Behörden. Niederländische öffentliche Einrichtungen müssen Rechnungen akzeptieren, die dem europäischen Standard für elektronische Rechnungen EN 16931 entsprechen, der durch die EU-Richtlinie 2014/55/EU umgesetzt wurde.
Für den privaten Sektor bleibt die E-Invoicing-Nutzung hingegen weitgehend freiwillig. Unternehmen können Rechnungen elektronisch austauschen, sofern sich beide Parteien auf das Format und den Übertragungsweg einigen. Viele größere Organisationen nutzen bereits strukturierte E-Invoicing-Prozesse über Peppol, EDI oder andere elektronische Austauschplattformen, während kleine und mittlere Unternehmen häufig weiterhin PDF-Rechnungen per E-Mail versenden.
Obwohl derzeit keine gesetzliche Verpflichtung für inländisches B2B- oder B2C-E-Invoicing besteht, nimmt die Verbreitung weiter zu. Gründe dafür sind die zunehmende Automatisierung, Kosteneinsparungen und eine effizientere Rechnungsverarbeitung.
Was ändert sich und warum?
Der wichtigste Treiber für die bevorstehenden Änderungen ist die Initiative „VAT in the Digital Age“ (ViDA) der Europäischen Kommission. ViDA gehört zu den bedeutendsten Mehrwertsteuerreformen der EU der letzten Jahre und zielt darauf ab, die Umsatzsteuermeldung zu modernisieren, Betrug zu reduzieren und den grenzüberschreitenden Handel innerhalb der Europäischen Union zu vereinfachen.
Gemäß dem aktuellen ViDA-Vorschlag müssen alle EU-Mitgliedstaaten ab dem 1. Juli 2030 elektronische Rechnungsstellung und Digital Reporting Requirements (DRR) für innergemeinschaftliche B2B-Transaktionen einführen. Unternehmen, die grenzüberschreitend innerhalb der EU tätig sind, müssen strukturierte elektronische Rechnungen gemäß dem europäischen Standard ausstellen und Transaktionsdaten innerhalb festgelegter Meldefristen elektronisch an die Steuerbehörden übermitteln.
Im Hinblick auf diese Anforderungen prüft die niederländische Regierung, ob sie über die EU-Mindestanforderungen hinausgehen und zusätzlich eine verpflichtende E-Rechnung für inländische B2B-Transaktionen einführen sollte.
Ein dem niederländischen Parlament im März 2026 vorgelegter Beratungsbericht empfiehlt die Einführung eines landesweiten B2B-E-Invoicing-Frameworks auf Basis des Peppol-Netzwerks. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass eine Ausweitung der verpflichtenden E-Rechnung auf inländische Transaktionen die Effizienz steigern, administrative Kosten reduzieren, die Steuerkonformität verbessern und niederländische Unternehmen auf die umfassendere europäische Landschaft des digitalen Reportings vorbereiten würde.
Die Regierung hat signalisiert, dass sie diese Empfehlungen grundsätzlich unterstützt. Eine offizielle Stellungnahme zur weiteren Vorgehensweise wird für den Sommer 2026 erwartet, gefolgt von einer öffentlichen Konsultation zum Gesetzesentwurf im vierten Quartal 2026. Obwohl bislang noch keine endgültige Gesetzgebung verabschiedet wurde, sollten Unternehmen die Entwicklungen aufmerksam verfolgen. Die Niederlande bewegen sich voraussichtlich in den kommenden Jahren auf ein verpflichtendes B2B-E-Invoicing-Modell zu.
Wer ist von den Änderungen betroffen?
Die bevorstehenden Änderungen betreffen hauptsächlich Unternehmen, die Business-to-Business- (B2B-)Transaktionen durchführen.
Ab dem 1. Juli 2030 müssen alle Unternehmen, die am innergemeinschaftlichen B2B-Handel beteiligt sind, strukturierte elektronische Rechnungen ausstellen und die neuen Digital Reporting Requirements (DRR) gemäß ViDA erfüllen.
Sollte die niederländische Regierung das geplante nationale Mandat umsetzen, wären langfristig nahezu alle umsatzsteuerlich registrierten Unternehmen in den Niederlanden verpflichtet, elektronische Rechnungen gemäß dem europäischen Standard EN 16931 auszutauschen – voraussichtlich über das Peppol-Netzwerk.
Die Auswirkungen beschränken sich dabei nicht nur auf die Finanzabteilungen. Unternehmen sollten mit Veränderungen in mehreren Geschäftsbereichen rechnen.
Unternehmen, die derzeit noch auf PDF-Rechnungen oder manuelle Rechnungsverarbeitung setzen, müssen ihre Rechnungsprozesse und ERP-Systeme voraussichtlich modernisieren. Organisationen, die bereits Rechnungen über Peppol austauschen, sind grundsätzlich gut vorbereitet, da das vorgeschlagene Modell auf derselben Infrastruktur aufbaut, die bereits heute für die niederländische B2G-Rechnungstellung genutzt wird.
Eine frühzeitige Vorbereitung ermöglicht es Unternehmen, Implementierungsrisiken zu minimieren und gleichzeitig von einer höheren Automatisierung sowie standardisierten Geschäftsprozessen zu profitieren.
Wie wird das zukünftige E-Invoicing-Modell funktionieren?
Um sowohl die zukünftigen ViDA-Anforderungen als auch ein mögliches nationales B2B-Mandat zu unterstützen, schlägt der niederländische Beratungsbericht ein standardisiertes technisches Betriebsmodell vor, das auf bestehenden europäischen Standards und der Peppol-Infrastruktur basiert.
Ziel ist es, ein einheitliches, interoperables Framework zu schaffen, das den Austausch elektronischer Rechnungen, digitales Reporting sowie die zukünftige europäische Umsatzsteuer-Compliance unterstützt.
Das vorgeschlagene Modell besteht aus vier zentralen Bausteinen:
- Strukturierte elektronische Rechnungen gemäß dem europäischen Standard EN 16931, unter Verwendung unterstützter Syntaxen wie UBL (Universal Business Language) oder CII (Cross Industry Invoice).
- Ein 4-Corner-Peppol-Austauschmodell, das es Lieferanten und Käufern ermöglicht, Rechnungen sicher über zertifizierte Peppol Access Points auszutauschen, anstatt direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu nutzen.
- Ein 5-Corner-Reporting-Modell, das eine zusätzliche Reporting-Ebene ergänzt und ermöglicht, Rechnungsdaten für die nahezu in Echtzeit erfolgenden Digital Reporting Requirements (DRR) gemäß ViDA an die niederländischen Steuerbehörden zu übermitteln. Diese zusätzliche Reporting-Ebene soll die Meldepflichten für innergemeinschaftliche Transaktionen unterstützen und gleichzeitig die Interoperabilität zwischen Unternehmen, Service-Providern und Steuerbehörden gewährleisten.
- Die weitere Nutzung international anerkannter Standards, um die Kompatibilität mit anderen EU-Mitgliedstaaten sicherzustellen und den grenzüberschreitenden Handel zu erleichtern.
Durch die Erweiterung des bestehenden Peppol-Frameworks um digitale Reporting-Funktionen verfolgt die Niederlande das Ziel, ein zukunftssicheres E-Invoicing-Ökosystem aufzubauen. Dieses soll den administrativen Aufwand reduzieren und gleichzeitig nationale sowie europäische Compliance-Anforderungen unterstützen.
Aktueller Zeitplan für E-Invoicing in den Niederlanden
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